Nackt per Mausklick: So wehrst du dich in Salzburg gegen KI-Missbrauch

Zehn Jahre Haft und Einweisung für Triebtäter

Der Fall Collien Fernandes sorgt aktuell für Entsetzen: Die Moderatorin wirft ihrem Ex-Mann Christian Ulmen vor, pornografische Deepfakes von ihr erstellt und verbreitet zu haben. Diese Form der digitalen Gewalt entfacht eine Debatte über strengere Gesetze. Die technischen Möglichkeiten entwickeln sich in rasantem Tempo. Der Einsatz von KI macht diese Dynamik besonders spürbar: Was vor wenigen Jahren noch wie Science-Fiction wirkte, ist heute längst Teil eines besorgniserregenden Alltags. Die Technik rast, doch das Gesetz hinkt hinterher. Die Salzburger Juristin Sabina Moser vermittelt im SALZBURG24-Interview dennoch Hoffnung: „Es gibt Umwege über das Zivilrecht, um gegen die Verbreitung solcher Bilder vorzugehen.“ So können Betroffene erreichen, dass diese Inhalte im Internet gelöscht werden. Wie ihr euch gegen digitale Übergriffe wehren könnt und wo ihr kostenlose Unterstützung findet, haben wir hier sowie im Video für euch zusammengefasst.

„Man ist nicht alleine“: Was tun bei digitaler Gewalt?
Hier findest du eine Schritt-für-Schritt-Anleitung von Expertin Moser: „Beweise sichern ist das Allererste“:
1. Sammle Screenshots, speichere wenn möglich Inhalte und kopiere die gesamte URL (den Link). Stell am besten sicher, dass Datum und Uhrzeit sichtbar sind.
2. Unterstützung suchen: Opfer müssen diesen Weg nicht alleine gehen. In Salzburg bieten Opferschutzorganisationen (wie der Frauennotruf oder das Gewaltschutzzentrum) kostenlose Unterstützung und psychologische Betreuung an. Und: „Die gehen mit mir dann auch zur Polizei", erklärt Moser. Das führt uns zum nächsten Punkt:
3. Anzeige erstatten!
4. Kostenlose Prozessbegleitung: Viele fürchten die Anwaltskosten. Diese Angst können wir euch nehmen: „Die Begleitung in diesem ganzen Prozess, was Opferschutz anbelangt, ist kostenlos“. Spezialisierte Jurist:innen übernehmen dabei die rechtliche Vertretung.
5. Löschung beantragen: Diese Profis helfen dir dabei, zivilrechtliche Unterlassungsansprüche geltend zu machen. So können Plattformen wie beispielsweise Instagram entsprechend EU-Verordnungen rechtlich dazu verpflichtet werden, Bilder dauerhaft zu entfernen.

„Kein Spaß, sondern eine Straftat“: Mehr Aufklärung und strengere Gesetze
Ein zentraler Wunsch der Salzburger Juristin richtet sich an die österreichische Politik: Gesetze müssten aktiv nachgebessert und Deepfakes als eigener Straftatbestand aufgenommen werden. „Damit man nicht diese ganzen Umwege über verschiedene Gesetze gehen muss.“ Außerdem fordert sie bessere Schulungen für Polizei und Justiz, sowie strengere Regeln für Plattformen, damit Betroffene schneller geschützt werden.

Wenn es möglich ist, sollte man nicht zu lange mit der Anzeige warten. Viele dieser Delikte verjähren in Österreich innerhalb von drei Jahren. Bei Opfern, die zur Tatzeit minderjährig waren, beginnt diese Frist oft erst mit der Volljährigkeit zu laufen – was Betroffenen mehr Zeit für die Aufarbeitung gibt. Der zweite Appell von Expertin Moser ist präventiv: Er setzt nicht erst bei den Handlungsmöglichkeiten der Opfer an, wenn der Schaden bereits entstanden ist, sondern soll Übergriffe und ihre Folgen von vornherein verhindern. „Die Jugend ist unsere Zukunft.“ Kinder und Jugendliche müssten daher bereits in der Schule für die Folgen digitaler Gewalt sensibilisiert werden.
Es sei entscheidend, klarzumachen, dass es sich dabei nicht um harmlosen Spaß handelt, sondern um schwerwiegende, strafrechtlich relevante Eingriffe in die Privatsphäre, die Leid verursachen.
Kommt es dennoch zu einer Tat, macht die Opferschutzanwältin Mut: „Wir wollen Opfern eine Stimme geben. Die meisten sind am Ende eines Prozesses froh, dass sie so mutig waren.“

Wo Frauen Hilfe bei Gewalt finden

Digitale Gewalt meint nicht nur die in diesem Beitrag behandelte Verbreitung sexualisierter Inhalte, sondern umfasst generell Grenzüberschreitungen im Internet – etwa Cyber-Stalking, Mobbing oder digitale Belästigung in Form von „Dick Pics“.  

In Österreich finden Frauen, die Gewalt erleben, Hilfe und Informationen bei der Frauen-Helpline unter: 0800-222-555, www.frauenhelpline.at; beim Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) unter www.aoef.at, sowie beim Frauenhaus-Notruf unter 057722 und den Österreichischen Gewaltschutzzentren: 0800/700-217, https://www.gewaltschutzzentrum.at/, beim Polizei-Notruf: 133.

Quelle: salzburg24.at
Bild: www.unsplash.com

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