Tankstellenüberfälle: Vier Jahre Haft für Frau
Tankstellenüberfälle: Vier Jahre Haft für Frau
Mit Pistole und Elektroschocker bewaffnete Flachgauerin (43) überfiel in einer Nacht zwei Tankstellen. Im Prozess war sie reumütig geständig.
SALZBURG. Von Frauen verübte Raubüberfälle auf Beschäftigte in Tankstellen, Trafiken oder Banken sind sehr selten. Am Mittwoch musste eine 43-jährige Flachgauerin vor einem Schöffensenat (Vorsitz: Richter Markus Hanl) Platz nehmen, weil sie in der Nacht vom 19. auf den 20. April binnen fünf Stunden gleich zwei Mal einen Tankstellenshop überfallen hatte. Die bislang unbescholtene Frau (Verteidigerin: Sabina Moser) war im Prozess reuig: „Es tut mir sehr leid. Ich möchte mich bei den zwei Opfern entschuldigen. Ich wusste damals keinen anderen Ausweg mehr – da habe ich kurzfristig diesen wahnsinnig dummen Entschluss gefasst, die Überfälle zu machen.“Die Angeklagte war vor ihrer Festnahme, die nur einen Tag nach den Taten erfolgte, arbeitslos; sie hat Schulden und litt seit Längerem an erheblicher Kokain- und Tablettensucht, verbunden mit Alkoholmissbrauch.
Staatsanwältin Sandra Wimmer zufolge betrat die 43-Jährige damals gegen 23 Uhr eine Tankstelle in Thalgau. Bewaffnet mit einer schwarzen Schreckschusspistole (strafrechtlich als Waffe qualifiziert) und vermummt forderte sie vom Shopmitarbeiter Geld. Beute machte die Frau, die das 50-jährige Opfer auch mit einem Elektroschocker bedrohte, aber keine: Der Angestellte konnte letztlich flüchten. Nachdem sie nach dem gescheiterten Überfall wieder nach Hause gefahren war, versuchte es die Angeklagte Stunden später ein zweites Mal. Sie fuhr nun zu einer Tankstelle in Eugendorf, betrat diese gegen 3.50 Uhr, richtete erneut ihre geladene Schreckschusspistole gegen den dort diensttuenden Mitarbeiter und forderte Geld. Diesmal erbeutete sie 1875 Euro.
Auf die Frage des Vorsitzenden nach Motiv bzw. Hintergrund für die Überfälle gab die Flachgauerin mit Abendmatura Folgendes an: „Ich hatte Schulden bei meinem Drogendealer. Er hat gesagt, wenn ich nicht endlich zahle, schickt er am nächsten Tag Leute zu mir, die dann ein ganz anderes Programm fahren.“Sie habe dann vergeblich versucht, sich von Bekannten Geld zu borgen: „Ich hatte enorme Angst.
Als Motiv nannte die Frau Drogenschulden
Da bin ich auf die Idee mit den Überfällen gekommen.“ Die Pistole habe sie schon länger daheim gehabt: „Eine Freundin hat sie mir geschenkt. Als Schutz, weil ich früher von meinem Ex-Freund bedroht worden bin.“
Der Senat verurteilte die Frau – der Strafrahmen reicht von einem bis zu fünfzehn Jahren Haft – zu vier Jahren Gefängnis (nicht rechtskräftig). Richter Hanl: „Besonders erschwerend ist, dass die Angeklagte gleich zwei bewaffnete Überfälle verübte. Noch in derselben Nacht hat sie ein zweites Opfer gesucht.“Den Opfern, vertreten von Stefan Rieder, sprach das Gericht 2600 bzw. 600 Euro Teilschmerzensgeld zu.
Quelle: sn.at
Bild: pexels.com